YOUNG KNIVES - "Superabundance"
VÖ: 28.03.2008
Label/Vertrieb: Inkubator/Soulfood Music
Presse/Online Promo

Henry Dartnall – Thomas “The House of Lords” Dartnall – Oliver Askew
In England fielen sie zuerst auf, weil sie die Bühne ausschließlich in Tweed-Anzügen betraten und nicht mit humorvollem Spott dem Publikum und sich selbst gegenüber sparten. Aber der Grund für ihren sicheren Aufstieg im UK war dann doch in ihren eigenwilligen Songs zu finden, die mit sprödem Gitarrensound und egozentrischem Charme überzeugten. Ihr zickiges 2006er Album Voices Of Animals And Men erreichte Platz 21 In den UK-Charts und sorgte obendrein dafür, dass das Trio für den renommierten Mercury Music Prize nominiert wurde. Inzwischen sind YOUNG KNIVES bei Transgressive Records (Subways, Noisettes, Regina Spektor) gelandet und haben ein brandneues Album fertig gestellt: Superanbundance, das mit Terra Firma auch schon wieder einen UK-Charteinsteiger enthält.
Stand auf Voices Of… noch Gang of Four-Member Andy Gill für den Sound, ging es für Superabundance mit Tony Doogan (Belle&Sebastian, Mogwai, Super Furry Animals, Dirty Pretty Things) ins Studio. Und das befand sich auch nicht in London oder Oxford oder einem der sonstigen „Szene“-Zentren sondern an einem Ort in Schottland mit dem vielsagenden Titel „House of Doom“, ein Ort, an dem genug Zeit und Raum war, in ruhiger Gelassenheit ein Album zu strukturieren. „Das war ein sehr entspannter Ort“, erklärt Henry. „Wir haben diesmal nicht Stunden damit verbracht, immer wieder neue Spuren einzuspielen, sondern konnten auf Abstand gehen, um über die Songs nachzudenken. Wir konnten uns aus dem Weg gehen, wenn wir das brauchten. Wenn wir aufnahmen, war es mehr eine Performance als eine Wiederholung von Sachen, die wir schon gemacht hatten. Das ist Tonys Verdienst.“
Allerdings darf man nicht denken, die Jungs hätten sich dabei auf die faule Haut gelegt. Im Gegenteil war ihr Terminplan in den letzten zwei Jahren mehr als randvoll, so sah man sie u.a. mit Futureheads, Hot Hot Heat, den Dirty Pretty Things und The Rakes auf diversen Touren, sie spielten alle größeren Festivals auf der Insel, und auch eine Einladung zu Kult-Showmaster Jools Holland ließen sie nicht unbeantwortet vorüberziehen. Dementsprechend schnell gingen die Aufnahmen zu Superabundance vonstatten. „Das letzte Album schrieben wir in einem Zeitraum von Jahren, überarbeiteten es, änderten hier was, überdachten da was. Das neue Material ist in einem durchgehenden Prozess entstanden. Schreiben und Aufnehmen war eins. Wir hatten bei der Planung schon die Studioarbeit im Sinn, das gab uns viel mehr Freiheit. Wir haben uns dann komplett gehen lassen können, bei den lauten wie bei den leisen Stellen. Außerdem haben wir uns mehr um die Melodien gekümmert. Ich habe mal ein Interview mit Kurt Cobain gesehen, in dem er sagte, die Melodie käme vor allem anderen. Das Shouting zwischendurch ist nur die Sahne auf der Torte.“
Das Ergebnis kann sich hören lassen. Im Sound satter als Voices Of…, die Melodien und Gitarrensätze noch ein bißchen mehr auf den Punkt und um einiges Lebendiger als der Vorgänger, ist Superabundance unüberhörbar eine Weiterentwicklung. So das rau stampfende Terra Firma, das unbändige Up All Night aus Revenge of the Nerds, oder das polternde I Can Hardly See Them. Turn Tail wartet sogar mit einem 16-köpfigen Orchester auf, das in einer Kirche (!) aufgenommen wurde.
„Turn Tail ist das riskanteste Stück“, räumt Darnall ein. „Man hört es und denkt, es sei ein melodramatischer Song, aber das gesamte Arrangement ist ziemlich durchgedreht., es hat zum Beispiel zwei Refrains. Für mich ist es eine Weiterentwicklung von Loughborough Suicide von Voices…Ursprünglich hatte der Song eine einfachere Struktur, aber davon gingen wir ab. Das ist ein Schritt weg von der Punkiness, die man uns oft nachsagt.“
Alles an diesem Album ist reifer, etwas größer und etwas souveräner. Einsehbar, dass die Band das „The“ aus ihrem Namen entfernte – aus einer jungen wilden „The“-Band ist also eine wilde Rockband geworden.
Über ihr genaues Gründungsdatum schweigt die Band sich aus, sicher ist nur, dass sie als Simple Pastoral Existence mit „schlechtem Funk“ begannen. Ein Renaming zu Ponyclub war aufgrund eines prominenteren Namensvetters auch nur von kurzer Dauer, und aber schließlich führte ein Lesefehler seitens Basser Thomas Darnell in einem Geschichtsbuch zum Namen (THE) YOUNG KNIVES. Das Trio aus Ashby-de-la-Zouch bei Loughborough in Leicsestershire hatte seinen Namen.
Das erste Lebenszeichen ließ kaum Hoffnung: THE YOUNG KNIVES…are dead erschien im Oktober 2002, doch so schnell sollte das Trio nicht sterben. 2003 kam die selbstvertriebene EP Rolleskater, gefolgt von einigen Hundert Exemplaren der LP Nolen’s Volens, die von der Band per Hand verteilt wurden. Aber erst im Winter 2005 tauchten (THE) YOUNG KNIVES mit neuem, eigenständigern Material auf, das die Fans überregional aufhorchen ließ. Mit Andy Gill von Gang Of Four nahmen sie Voices of Animals and Men auf, das 2006 erschien und als Titel eine Adam And The Ants-Anspielung hat. Vier UK-Charteinstiege fanden sich auf dem Album (The Decision, Here Comes The Rumour Mill, She’s Attracted To und Weekends & Bleak Days), die zudem mit originellen und phantasievollen Videos ausgerüstet wurden. Heute stehen YOUNG KNIVES an der Schwelle, auch auf dem europäischen Festland Wellen zu schlagen. Und mittlerweile hat sich auch der Farmer-Chic des Tweedanzugs etwas aufgelockert und gemahnt an den Style des Performance-Duos Gilbert&George. Allerdings völlig unprogrammatisch: „Wir haben uns nur ein paar neue Klamotten gekauft“.

Von YOUNG KNIVES, die Henry einst „die musikalische Antwort auf Robin Hood“ nannte („Wir nehmen Einflüsse von den reichen, kunstbeflissenen Bands und bereiten sie für die armen Fans auf“) wird man auch bei uns nun einiges hören.
Warum aber nennt man Thomas „The House Of Lords“? Weil er laut Henry und Oliver so etwas wie die Zweite Kammer der Band ist, die immer wieder Vetos einlegt. „Ich bin ziemlich forsch, was unseren Sound angeht. Ich habe keinen Bock darauf, der nächste bepisste MOR-Act zu werden, mit dem die Musikindustrie ihre Jeans beschmiert. Außerdem kommen die besten Ideen immer von mir.“ Und dann? „Sagen sie mir, dass ich das Maul halten soll.“
www.theyoungknives.com