TRIVIUM - THE SIN AND THE SENTENCE

Release Date: 
20.10.2017
Label/Vertrieb: 
Roadrunner / Warner Music

Es gibt im Leben zwei Optionen: Tod oder Wachstum.

Auf ihrem achten Album The Sin and The Sentence entscheiden sich Trivium einmal mehr für Letzteres. Und nicht nur das – auf dem Werk kommen sämtliche Elemente zur Vollendung, die Trivium seit ihrer Gründung 1999 definierten. Momente ehrfurchterregender Melodiosität gehen über in straff gespannten technischen Thrash, Black-Metal-Ausdehnungen, Punk-Geist und ein Herz aus Heavy, alles eng verschnürt durch die musikalische Einheit des Quartetts – Matt Heafy [Gesang, Gitarre], Corey Beaulieu [Gitarre], Paolo Gregoletto [Bass] und Alex Bent [Drums]. Es dürfte bei all dem kaum überraschen, dass die elf Songs von einem unstillbaren Hunger angetrieben wurden: sich weiterzuentwickeln.

 

„Es war ein Alles-oder-nichts-Moment“, betont Heafy. „Da gab es kein Vertun. Wir hatten schon immer diesen unbedingten Willen, uns zu verbessern. Daher begann ich mit einer Bestandsaufnahme aller Dinge, die wir richtig oder falsch machten, und schon bald übertrug sich dieses Denken auch auf die neue Musik. Was am Ende daraus entstand, war für mich eine Kombination der besten Dinge, die wir je gemacht haben. Wir waren uns alle einig: „Wir müssen genau jetzt das beste Album unserer Karriere aufnehmen.“

In Anbetracht ihres weltweiten Erfolges war diese Zielsetzung eine gehörige Ansage. Das letzte Album „Silence in the Snow“ (2015) hatten den Jungs so etwas wie ein Wiedererwachen beschert. Mit 17.000 verkauften Exemplaren kam man in den heimischen USA auf Platz 19 der Charts, in Deutschland eroberte das Werk Platz 13. „Until the World Goes Cold” sollte der Band mit 17,1 Millionen Spotify-Streams und 14,9 YouTube/VEVO-Views ihren bislang größten Single-Erfolg bescheren, The Guardian, Classic Rock, Ultimate Guitar und weitere rühmten das Album, ausverkaufte Konzerte begleiteten sie rund um den Globus.

Ungeachtet der explosiven Natur der letzten Kampagne setzten die Musiker beharrlich ihre Arbeit an dem fort, was sich schließlich zu The Sin and the Sentence formen sollte: Während ihrer Tour ordneten sie ihre Ideen und setzten die Songs zusammen. Ohne es irgendjemandem außerhalb des innersten Kreises mitzuteilen, zogen sie sich 2017 für nur einen Monat in das südkalifornische Studio von Producer Josh Wilbur [Lamb of God, Gojira] zurück.

„Als Josh dazukam, waren bereits 99% von all dem geschrieben“, verrät Heafy, und erklärt zum Vergleich: „Bei Vengeance Falls und Silence in the Snow hatten wir ungefähr 50% fertig. Wenn wir maximal vorbereitet sind, machen wir unsere beste Musik. Es kam also in diesem Fall eher Ember to Inferno, Ascendancy, Shogun und In Waves gleich, wo wir jeweils eine zusammenhängende Vision mit ins Studio brachten. Josh trieb uns dazu an, sie zu schleifen und noch besser zu machen. Wir machten die Art von Songs, die wir selbst gern hören wollten.“

Ein wichtiger erster Schritt war, dass Gregoletto beim Schreiben der Songtexte die Zügel in die Hand nahm. Die Folge: Heafy fühlte sich befreit, all seine Kraft ins Singen zu legen. 

„Bei Silence in the Snow haben Matt und ich im Studio noch sehr gemeinschaftlich gearbeitet und viele der Lyrics erst unmittelbar geschrieben bevor er reinging, um sie zu tracken“, erinnert sich Gregoletto. „Bei The Sin and The Sentence drängte ich darauf, die Lyrics und den Gesang wesentlich früher zu machen. Wir widmeten ihnen dieselbe Zeit wie den Riffs, Drumbeats und der Musik. Wir haben die Lyrics wirklich durch die Mangel gedreht. Ich habe Matt in der Vergangenheit viel geholfen, doch ich wollte mehr über die handwerkliche und technische Seite des Schreibens lernen. Daher las ich Bücher und versuchte, unterschiedliche Dinge zusammenzutragen. Am Ende wusste ich mehr darüber, wie man Reime verwendet und wie Worte Dynamik in einen Song bringen.“

„Die ganze Sache war wie ein Film“, ergänzt Heafy. „Paolo war der Schreiber. Josh war der Regisseur. Ich war der Schauspieler. Ich hatte das Gefühl, als sei ich beim Singen der Texte tatsächlich in der Lage, mich in den Kopf eines anderen hineinzubegeben, weil ich an der gesamten Entstehungsphase – von der Entstehung bis zur Vollendung – komplett unbeteiligt war. Ich finde, Paolo hat einen unglaublichen Job gemacht.“

Trivium brachen das Schweigen über ihr neues Werk weder mit aufmerksamkeitsheischenden Social-Media-Teasern, noch machten sie eine förmliche Ankündigung. Stattdessen entschieden sie sich im Sommer 2017, schlicht das Video zur ersten Single zu enthüllen, dem Titeltrack „The Sin And The Sentence“. Die Folge: Euphorische Fan-Reaktionen, mehr als 2 Millionen YouTube-Views und 1 Million Spotify-Streams binnen nur vier Wochen. Angetrieben von einem Doublebass-Drum-Galopp, prescht der fast sechsminütige Lead-Track mit maximaler Geschwindigkeit vorwärts, getragen von Thrash-Raffinessen, einer flirrenden Lead-Gitarre und der Stimme Heafys, der hier eine seiner kraftvollsten und gewichtigsten Gesangseinlagen überhaupt hinlegt.

„Es geht um Verdammung, darum, geächtet zu sein und beiseite geschoben zu werden – und nicht wirklich zu wissen, wie man mit diesen Gefühlen umgeht“, merkt Heafy an, der sagt: „Es ist definitiv eine Reaktion auf die Welt und die Dinge, die uns passiert sind.“

„Ich habe dieses Buch gelesen, das den Titel So You’ve Been Publicly Shamed trägt“, berichtet Gregolotto. „Es dreht sich um Kultur des Anprangerns im Internet. Der Untersuchungsgegenstand des Buches war das Ausmaß an Bestrafung, das einem für etwas zuteilwird. Jemand macht einen geschmacklosen Witz und verliert seinen Job. Darüber habe ich eine Menge nachgedacht, außerdem über die Idee von Hexenjagden, bei denen Leuten für nicht nachvollziehbare Vorgänge die Schuld zugeschoben wird. Es ist so leicht, Leuten etwas anzuhaften, nur weil du sie nicht magst. Du gesellst dich zum Mob, indem du jemanden wegen einer kleinen Sache attackierst. The Sin ist der Verstoß gegen die Öffentlichkeit. The Sentence ist das Aufeinandertürmen und Ruinieren von Leben und Karriere einer Person. Summiert es sich? Eines Tages könntest du auf der anderen Seite stehen, also sieh dich vor.“

„The Heart From Your Hate“ ist derweil von Gang-Gesängen, Fret-Feuerwerken und einem so zwingenden wie unerschütterlich klaren Refrain geprägt: „What will it take to rip the heart from your hate?“„Hass ist eine derartig mächtige Emotion“, seufzt Gregoletto. „Er ist das Gegenstück zur Liebe. Wenn jemand zutiefst liebt oder hasst, kann es sehr schwer sein, diese Person zum Umdenken zu bewegen. Das war das Konzept – die Unfähigkeit, seine Gefühle einfach so abzutöten.“

„Wir lieben es, dynamische Kontraste zu haben“, fügt Heafy hinzu. Ascendancy ist das schnellste Album, das wir je gemacht haben, zugleich enthält es mit „Dying In Your Arms“ einen unserer simpelsten Songs. „The Heart from Your Hate“ ist ebenfalls diesem Ende des Spektrums zuzuordnen.“

Am anderen Ende steht ein Song wie „Betrayer“, der ein Trommelfeuer aus Black-Metal-Percussion, Tremolo-Picking und erderschütternden Schreien loslässt, bevor sich alles in einen weiteren hypnotischen Hook ergießt. „Ich schrieb den Song etwa zur selben Zeit wie ‚The Sin and The Sentence’“, sagt Gregoletto. „Sie haben eine geschwisterliche Verbindung. Matt spricht direkt zum ‚Betrayer’, der ein Freund oder eine andere wichtige Person sein könnte, von dem du dachtest, dass du ihn kennst, der dich jedoch am Ende nur benutzt. Es ist sehr persönlich.“

Alles steuert auf den epischen letzten Song „Thrown Into The Fire“ zu – eine Feuersbrunst aus aufwieglerischen Riffings, kehligem Fauchen und überwältigenden Harmonien, die absolut keine Fragen mehr offenlässt. „Ich wollte einen Charakter wie einen Priester oder einen Fernsehprediger aufbauen, der seine Herde führt und dabei die Gemeinde weiter und immer weiter ausnimmt“, führt Gregoletto aus. „Er predigt, wie sie leben sollen, lebt jedoch selbst das Gegenteil.“

Nachdem sie mit Ember to Inferno 2003 ihren Durchbruch gefeiert hatten, kehrten Trivium 2005 als hungrigste Herausforderer des Metal zurück. Von Kerrang! Als „Album of the Year“ gerühmt, gilt das Album heute als Genre-Meilenstein des 21. Jahrhunderts. In der Folge verkauften Trivium insgesamt über 2 Millionen Alben, pulverisierten Bühnen mit Idolen wie Metallica, Black Sabbath, Iron Maiden und weiteren und spielten unvergessene Festival-Sets beim Download, Rock am Ring, KNOTFEST und vielen anderen. In Waves und Vengeance Falls segelten auf direktem Wege in die in die Top 10 der deutschen Charts und sicherten der Band ihren Platz in den Ruhmeshallen des modernen Metal.

 

Als Ergebnis einer radikalen Weiterentwicklung werden Heafy, Beaulieu, Gregoletto und Bent zu dem, was schon immer ihre Bestimmung war – Trivium. „Bei dieser Sache wollten wir alles einreißen und von Grund auf neu darüber nachdenken, wie wir Songs schreiben“, betont Gregoletto. „Wir haben uns in sämtlichen Bereichen gesteigert.“ „Ich will, dass ein jeder weiß: Wir haben das hier mit unseren Herzen und Seelen gemacht“, schließt Heafy. „Es war alles oder nichts, wir haben alles reingelegt. Wir haben eine Menge Höhen und Tiefen hinter uns und hatten das Gefühl, all das einfangen zu wollen. Es sollte alles zusammenfassen, was in der Summe Trivium ergibt. Meiner Meinung nach ist es uns gelungen.“

Rick Florino, August 2017

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