MANTAR - GRUNGETOWN HOOLIGANS II

Release Date: 
26.06.2020
Label/Vertrieb: 
MANTARECORDINGS – Cargo Records

Fotos: Christoph Eisenmenger

 

Nach drei Studio-Alben, einer Live-Scheibe und einer EP in nur fünf Jahren war es an der Zeit sich selber bei Laune zu halten. Die letzten Jahre vergingen wie im Flug: die Band war beschäftigt mit Platten machen und Touren, mehr oder weniger um die ganze Welt, und die absurde Idee einer “professionellen Band” wurde erstaunlicherweise zur Normalität. Eine unglaubliche Reise, mehr als man nach dem Debüt “Death By Burning” 2014 je hätte erwarten können. Trotzdem musste man sich nach fünf Jahren, in denen die Band überraschenderweise zum “Beruf” wurde, fragen, wie man sich auch in Zukunft selber bespaßen könnte. Sich selber etwas gönnen, ohne Erwartungshaltung und ohne feste Ziele. Da kam die Idee einer Coverplatte gerade recht. Allerdings war auch von Anfang an klar, dass keiner irgendwelche weiteren lieblosen Cover von Slayer, Sabbath oder Black Flag brauchen würde. Zumindest MANTAR brauchten selbige nicht.

 

Immer wieder wird in Interviews gefragt, wo die musikalischen Wurzeln liegen, wo man herkommt, wieso man so klingt wie man eben klingt. Die Antworten haben die Journalisten, sowie Fans meist eher erstaunt, findet MANTAR doch weltweit hauptsächlich im “Metal”-Kontext statt. Ohne dass die Band dies je für sich in Anspruch genommen hätte. Dennoch wohl ein glücklicher Zufall, denn das Metal-Publikum, Plattenkäufer, Magazine, sowie Festivals empfingen die Band mit offenen Armen. Besser hätte es kaum laufen können. Die Treue der Fans ist bis heute überwältigend und die Band sicher nicht dort wo ist heute ist. Wo auch immer das sein soll. MANTAR sind sicher heavy, aber wirklich “Heavy Metal”? Eher nicht.

 

Die musikalische Sozialisation beider Mitglieder fand ohne Frage in den frühen 90er Jahren in komplett anderen Bereichen statt. “Grunge” war Anfang der 90er das große Ding und umso tiefer man in die Materie eintauchte, umso mehr Perlen konnte man finden. Irgendwie war zu der Zeit alles genau das Gegenteil von “Metal”. Es ging um Noise-Rock, Riot Grrrl Bands und ja, eben auch um das, was in den Magazinen, Plattenläden, MTV und später Viva 2 als “Grunge”, oder noch schlimmer als “Alternative Rock” angepriesen wurde. Namen waren aber schon damals für den Kenner Schall und Rauch. Man kann sagen was man will, die 90er Jahre waren für nischige Rockmusik und Bands jenseits der großen Rockstarpose eine wunderbare Zeit. Und die daraus resultierende “Anti-Haltung” eine leicht zu kopierende Idee.

 

Aufgewachsen in Bremen, gab es dort zur selben Zeit immer noch eine extrem lebendige Underground Musikszene und ohne Ende geile Locations. Manche Musikmagazine nennen Bremen aufgrund der lebendigen Underground Szene zu dieser Zeit das “Seattle von Deutschland”. Fast so schmeichelhaft wie albern, aber eben auch nicht komplett falsch. 96/97: Mantar treffen sich beim “off” - Festival im Bremer Wehrschloss, gelegen gegenüber von Hanno´s Elternhaus. Man kommt ins Gespräch, freundet sich an und eigentlich ging und geht alles irgendwie auch immer nur um Musik. Erinc ist gute sieben Jahre älter als Hanno und somit kriegt dieser eigentlich seine komplette musikalische Früherziehung in Form von Mixtapes von Erinc.  Nicht gerade am Puls der Zeit, ist “Grunge” doch zu dem Zeitpunkt eigentlich längst mausetot. Egal, trotzdem geil. Man ist ja auch (noch) in Deutschland und ganz bestimmt nicht in Seattle (,Dirk). Insbesondere für den 15-jährigen Hanno sind gerade “female fronted” Bands eine komplett neue Erfahrung und somit bewegt sich erstmal lange fast nichts anderes mehr im Tapedeck. Die Aggression, Message und Kompromisslosigkeit von Bands wie Bikini Kill, Babes In Toyland, 7 Year Bitch, L7 und diversen anderen ist bis heute unerreicht.

 

Obwohl seit Ewigkeiten befreundet, gründen sich MANTAR übrigens erst gute 15 Jahre später. Warum die Band nun klingt wie sie klingt und wem das zu schulden sei, bleibt wohl auch weiterhin ungeklärt und ist vielleicht auch irgendwie egal. Fakt ist: Die Freude an musikalischer “Härte” und Intensität finden die beiden auf unzähligen Platten dieser Epoche und somit war irgendwie auch immer klar, wo, falls man jemals mal was covern würde, fündig werden würde.

 

Aufgenommen wurden die Songs bis auf die Drums, die man lieber auf sicher in Hamburg im Studio aufnahm, in Hanno´s Wohnzimmer in Gainesville, Florida. Gemischt wurde dann im “Black Bear Studio”, quasi dem Headquarter der Florida Punkszene. MANTAR agierte beim Produzieren ihrer Platten schon immer so DIY wie möglich, aber mit den Coversongs wollte die Band auch in Sachen Homerecording noch einen Schritt weiter gehen.

 

Das Wort “Grunge” war schon damals ähnlich albern wie das Wort “Punk” oder “Heavy Metal”, somit war der ähnlich beschissene Titel der Platte schnell gefunden. Die erste Version hat man, Profi wie man ist, direkt mal ausversehen gelöscht, somit heißt das Teil nun eben “Grungetown Hooligans II”. Klingt auch noch viel “besser”.

 

Tracklist:

 

L7 - The Bomb

The Jesus Lizzard – Puss

Sonic Youth – 100%

Mazzy Star – Ghost Highway

L7 – Can I Run

Babes In Toyland – Bruise Violet

Mudhoney – Who You Drivin' Now

7 Year Bitch - Knot

 

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