GONE IS GONE - IF EVERYTHING HAPPENS FOR A REASON...THEN NOTHING REALLY MATTERS AT ALL

Release Date: 
04.12.2020
Label/Vertrieb: 
Clouds Hill / ADA-Warner

Foto Credit: Stefan Schmid

 

Wir haben die Machbarkeit komplett ausgeblendet und uns nur darum gekümmert, mit Gleichgesinnten an unserer Vision zu arbeiten.“ Gone Is Gone ist eine neue Band. Und dann auch wieder nicht. Ihre Anfänge liegen ein paar Jahre zurück, als Filmtrailer-Komponist Mike Zarin und der Komponist und Schlagzeuger von At The Drive-In, Tony Hajjar, ihre Kompetenzen vereinten. Ein gemeinsamer Freund brachte sie zusammen, zunächst nur, um Musik vor Zarins Produktionsfirma Sencit zu komponieren. Ihre instrumentale Musik für Trailer kam in der Filmindustrie aber bombig an – so bombig, dass ihre Auftragsbücher sehr bald voll waren. „Wir haben einfach mit dem Komponieren angefangen“, erinnert sich Zarin. „Wir entwickelten unseren Stil in diesem Sub-Genre weiter und weiter, merkten aber schnell, dass es insbesondere dieser eine Song war, den man wieder und wieder verwendete. Immer häufiger kamen Anfragen nach ähnlichen Stücken rein und wir stellten recht überrascht fest, dass wir wohl über einen ganz eigenen Sound gestolpert waren.


Und der nächste Schritt? Logo, eine Band gründen!“

Sie rekrutierten Gitarrist Troy Van Leeuwen, ein Freund Hajjars, den man von
seiner Arbeit mit Queens Of The Stone Age, A Perfect Circle, Failure, Sweethead und einigen anderen mehr kennen dürfte. „Wir spielten ihm unsere Musik vor“, so Zarin, „und sagten ihm, dass wir eine Band in diesem Stil starten wollten. Er war sofort begeistert und war ohne nachzudenken dabei.“ Der Feinschliff folgte mit dem Einstieg von Troy Sanders, dem Bassist und Sänger der mehrfach Grammy nominierten Rock-Hydra Mastodon. Ihm musste man nur die Rough-Mixes der ersten selbstbetitelten EP von 2016 schicken. „Er war sofort an Bord!“, meint Zarin. In einem Interview mit Billboard erinnert sich Sanders, dem auch der Name Gone Is Gone zu verdanken ist, daran, wie er „den Anruf erhielt“. „Ich stand gerade bei der KfZ Zulassungsstelle in Atlanta in der Schlange, als mein Telefon klingelt und sich einer meiner größten musikalischen Helden meldet – Troy Van Leeuwen. Dieser Anruf zauberte einen gigantischen Regenbogen in diese triste Vorhölle der Zulassungsstelle, in der ich wartete. Es war, als hätten sich die Sterne eigens ausgerichtet, um diese Band zu ermöglichen.“

Die daraus resultierende EP verursachte schon bei Erscheinen einen Furor der Begeisterung unter Kritikern – nicht nur für den ungemein kraftvollen Opener Violescent, sondern auch für dieses berauschend cinematische Grundgefühl der Songs, das dieses stargespickte Line-Up von Gone Is Gone da evozierte. Eingelöst wurde dieses erste Versprechen vom 2017-er Debüt Echolocation, das das musikalische world building dieser Formation noch vertiefte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis immer öfter von einer „Supergroup“ zu lesen war.

„Uns war schon klar, dass das passieren würde, doch wir wollten den Fokus von Anfang an nicht auf die Mitglieder, sondern auf die Musik legen“, sagt Hajjar. „Aber natürlich verstehen das. Das Wort hat eine große Außenwirkung. Und die braucht es nun mal. Wir selbst würden dieses Wort aber nie verwenden. Wir sind Freunde, die gemeinsam Musik machen und eine gemeinsame Vision teilen. Macht uns das zu einer Supergroup? Nein. Finden wir uns besser oder wichtiger als andere Band? Teufel, nein!“, fügt Zarin an.

Nach diesem Auftakt begaben sich Gone Is Gone nicht on the road, sondern konzentrierten sich darauf, weiterhin kraftvolle, ungemein fordernde, emotionale Statements zu komponieren, die die DNA jedes einzelnen Musikers auf kongeniale Weise einfangen. Statements wie die irisierende, Funken schlagende erst Single „Breaks“, die eklektische Rock-Gratwanderung „Death Of A Dream“ oder ganz allgemein das komplette Post/Prog/Psych/Noise/Alternative/Synth- Wunderwerk namens „If Everything Happens For A Reason...Then Nothing Really Matters At All“. Tool unter einer Decke mit Muse und den Nine Inch Nails? Vielleicht.

Wie aber würden Gone Is Gone ihre eigene Musik umschreiben? Gibt es eine Schublade, in der sie sich wohlfühlen? Nö, eher nicht.

Von den meisten anderen Bands hebt sie ab, dass ihre Wurzeln einzigartig sind und dass sich ihre Laufbahn aus jener grenzenlos kreativen, gerade regelrecht aufkeimenden Szene speist, in der Musik, Film und Multimedia nur zu gern miteinander kollidieren. „Uns geht es nicht darum, aufzunehmen, zu touren, aufzunehmen, zu touren und so weiter“, meint Zarin. „Bei uns ist es eher schon schreiben, aufnehmen, experimentieren, schreiben, aufnehmen, experimentieren. Wir legen gerade erst das Fundament für alles mögliche: Den Soundtrack zu einem Film vielleicht, vielleicht aber auch eine Art Werkzeugkiste verschiedener Sounds, die Filmemacher verwenden oder interaktive Erfahrungen vertonen. Es gibt viele Musiker, die mit visuellen Künstlern in Galerien arbeiten und dort das Klangliche und das Bildliche vereinen. Das wollen wir auch.“

Für Hajjar lebt Gone Is Gone „vom Willen zum Wandel. Band und Musik müssen immer fließen. Unsere Ziele sind es, in jedem Genre mit jeder Art von Musik präsent zu sein und nur darauf zu achten, was die Songs brauchen.“ Deswegen ruht etwas dezidiert Einzigartiges in der Musik von Gone Is Gone – einer Band, die Kunst, Klang und individuelles Hörererleben in den Vordergrund rückt.

Die Genesis ihrer jüngsten Reihe von EPs beginnt in den Bedrock Studios in Los Angeles. Dort richtete sich die Band aber nicht mit einer üblichen Instrumentierung ein; stattdessen setzte sie auf modulare Synthies, tonnenweise Effektgeräte und eine einzige Gitarre. Dann jammten Gone Is Gone, was das Zeug hält, und erschufen Stücke ohne Anfang und Ende. Worum es ihnen ging, war etwas anderes: Sound und Vibe statt linearen Strukturen. Nach einigen Tagen und einer komplett vollen Festplatte bauten sie Drums und Verstärker auf und zockten etwas, woraus der Song „Phantom Limb“ wurde. Das Drum-Take darauf stammt noch aus dem allerersten Jam und diente dem Rest der Band als Ankerpunkt, worauf alles andere aufbaute – eine höchst beflügelnde Situation, die den Bandmitgliedern zudem erlaubte, aus ihren üblichen Rollen zu schlüpfen.

Nach der Bedrock-Session brachte man die Ideen und Eingebungen zurück in die bandeigenen Home Studios, wo man die Arbeit individuell fortsetzte – der Startschuss zu diesem neuen Songzyklus namens „If Everything Happens For A Reason…Then Nothing Really Matters At All“. Nachdem man auf „Echolocation“ in einer eher traditionellen Bandbesetzung agiert hatte, war es wichtig, dass diese neuen Stücke die Antithese dazu darstellen: Nur wenige Stücke folgen einem traditionellen Pop-Arrangement oder verwenden vermehrt akustischer Instrumente. Das Ziel: Songs, die als komplette Band oder, im elektronischen Format, von einem Solitär gespielt werden können.

Die Brotjobs der Mitglieder machen es Gone Is Gone schwer, regelmäßig zusammenzukommen, um neue Musik zu erschaffen. Diese Arbeitsweise erlaubt es der Band jedoch, in verschiedenen Versionen ihrer selbst zu existieren. Letztlich ist es genau das, was das Projekt für alle so spannend macht. Und immer wieder antreibt: Wenn ein Ansatz zu mühelos, zu leicht daherkommt, wird er in der Regel von einem abgelöst, der die Musiker zwingt, ihre Komfortzone zu verlassen.

Wie Troy Sanders schon in Interviews sagte: „Niemand in Gone Is Gone braucht eine andere Band.“ Doch irgendwie schaffen sie es immer wieder, kleine Inseln zu finden, in denen sie gemeinsam oder individuell kreativ werden können. Trotz all der guten Gründe, die gegen dieses Projekt sprechen, gibt es eben immer wieder mehr als genug Anlässe, es nicht aufzugeben. 

 

 

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