ELIZA SHADDAD - FUTURE

Release Date: 
26.10.2018
Label/Vertrieb: 
ferryhouse productions/Warner Music

Das Leben schreibt die besten Geschichten. Zum Beispiel diese hier: Eines Tages versuchte Eliza Shaddad im Londoner Stadtteil Shoreditch mal wieder ein paar Pfund als Straßenmusikerin zu verdienen. „Das ist eine Gegend, in der alle total kreativ und musikalisch sind, aber niemand gibt Geld“, erinnert sie sich. „Ich hatte an dem Tag absolut keine Lust, aber ich habe mich gezwungen.“ Ein junger Mann radelte vorbei, blickte ihr kurz in die Augen und lächelte. Dann war er wieder verschwunden. „Zwei Minuten später kam er zurück und meinte, dass er meine Stimme wirklich toll finden würde, dass er auch eine Band habe und sie gerade nach einer Sängerin suchen würden.“ Der junge Mann hieß Jack Patterson und seine Band Clean Bandit. Auf deren Top-10-Album „New Eyes“ trat Eliza Shaddad erstmals in Erscheinung, doch es dauerte nicht lange, bis sie ihre ersten eigenen EPs „Waters“ (2014) und „Run“ (2016) veröffentlichte. Darauf deutete sie bereits an, was sie nun mit ihrem Debütalbum „Future“ unterstreicht: Dass sie eine der spannendsten neuen Künstlerinnen Großbritanniens ist.

 

Über Shaddads Kindheit und Jugend könnte man ein ganzes Buch schreiben. „Weil meine Mutter für das British Council arbeitete, zogen wir alle drei Jahre um“, erzählt sie. „Ich habe in Spanien, Nigeria, Polen, der Slowakei und Russland gelebt. Ich habe es geliebt und es hat definitiv dafür gesorgt, dass ich so gerne reise und neue Erfahrungen sammele.“ Wenngleich ihre Mutter für das British Council arbeitete und ihr Vater Astrophysiker war, hat die Kunst in Shaddads Familie eine lange Tradition. „Mein Ururgroßvater mütterlicherseits war ein bekannter schottischer Maler und viele seiner Kinder und Enkel waren Künstler, darunter auch meine Oma“, fährt sie fort. „Auch auf der Seite meines Vaters, der aus dem sehr akademisch eingestellten Sudan stammt, habe ich einen Onkel, der Klamottendesigner ist, und einen, der Arthouse-Filme macht. Ich habe immer verstanden, dass Kunst einen Wert hat.“

 

Schon mit acht Jahren schrieb Shaddad ihren ersten Song – ein a cappella Liebeslied. Sie rappte in der Schule und spielte Theater. Nach ihrem Philosophie-Studium fasste sie schließlich den Entschluss, sich ganz der Musik zu widmen. „Ich wollte eigentlich meinen Ph.D. machen und mich für ein Stipendium bewerben, aber dann reiste ich einen Sommer mit drei Freunden im Caravan durch England. Wir jobbten auf verschiedenen Festivals, ich spielte mehr und mehr Gitarre und schrieb Songs. Da wurde mir klar, dass ich es wenigstens versuchen muss. Man hat schließlich nur ein Leben.“

 

An ihrem Debütalbum „Future“ hat Eliza Shaddad zwei Jahre gefeilt, und zwar gemeinsam mit ihrem Langzeit-Produzenten Chris Bond, der bereits für ihre beiden EPs verantwortlich war. Sie hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, wie die Platte klingen sollte. „Sie sollte grungeig sein und dreckig sein, aber gleichzeitig diesen melodischen Storytelling Folk-Vibe haben. Ich würde es als Dark Pop bezeichnen“, sagt sie, und trifft es damit ziemlich auf den Punkt. Songs wie die erste Single „White Lines“, „My Body“ oder „This Is My Cue“ vereinen klassisches Melodic-Pop-Songwriting scheinbar mühelos mit Alt-Rock-Sounds. Über allem steht Shaddads makelloser Gesang, voller Wärme und Aufrichtigkeit. „Früher habe ich viel Folk-Musik gemacht, das hat mich stark beeinflusst“, sagt sie. „Ich liebe Songs, die eine Geschichte erzählen.“

 

Eine Geschichte erzählt auch „Future“. „Ausgangspunkt für fast alle Songs war, dass ich mich in einer Beziehung befand, aus der ich raus wollte. Es gab wirklich absolut keinen Grund zu gehen, mein Freund war super nett – aber ich wusste, dass er nicht der Richtige ist“, erzählt Shaddad und man merkt sofort, wie nahe ihr das Ganze noch heute geht. „Ich entschloss mich also zu gehen, und das Album handelt davon, mit dieser Entscheidung klarzukommen. Von dem Gefühl der Freiheit und Erleichterung, aber auch der unglaublichen Traurigkeit darüber, dass ich jemandem so viele Schmerzen bereitet habe. Von der Sorge um ihn, der Schuld und den Zweifeln. Denn je mehr Zeit verging, desto größer wurden die Zweifel darüber, was ich getan hatte und wie.“

 

„This Is My Cue“ erzählt von dem Moment der Erkenntnis, dass eine Beziehung zu Ende ist, „White Lines“ von der Freude darüber, endlich die richtige Entscheidung zu treffen und dem Unbekannten entgegen zu blicken. In „My Body“ derweil geht es um die Zweifel, das Vermissen, und „To Make It Up To You“ ist sehr bedauernd und entschuldigend. Dass Shaddad das Album in Anbetracht seines Themas ausgerechnet „Future“ genannt hat, zeigt nicht nur, was für ein positiver Mensch sie ist, sondern auch, wie sehr die Songs trotzdem nach vorne blicken. „Ich weiß jetzt, was ich will“, sagt sie. „Es ging bei dem Album darum, damit abzuschließen und daraus zu lernen.“

 

 

Zweifellos: Es steckt viel Stärke und Selbstbewusstsein in „Future“. Dinge, die man Shaddad übrigens auch außerhalb der Musik attestieren kann. So hat sie gemeinsam mit der befreundeten Musikerin Samantha Lindo vor sechs Jahren das Künstlerkollektiv Girls Girls Girls gegründet. „Samantha hatte damals eine Show von Beyoncé mit ihrer All-Girl-Band gesehen und meinte danach, dass wir etwas tun müssen“, verrät sie. Seitdem schaffen sie Auftrittsmöglichkeiten für junge Künstlerinnen, sammeln Geld für die Organisation „Orchid Project“, die gegen Beschneidung von Frauen kämpft, und tun überhaupt was sie können, um andere Frauen zu ermächtigen. „Wir haben noch viel vor uns“, sagt sie, „aber ich habe das Gefühl, wir machen als Gesellschaft im Moment spannende und lange überfällige Fortschritte.“ Eliza Shaddad trägt ihren Teil dazu bei.

 

http://www.elizashaddad.com

 

PHOTO BY MEL TJEONG (1,2), JODIE CANWELL (3) 

 

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