BARBARISMS - WEST IN THE HEAD

Release Date: 
18.05.2018
Label/Vertrieb: 
DevilDuck Records/Indigo

Knapp zwei Jahre nach „Browser“ legt das gemischt amerikanisch-schwedische Trio nun das neue Album „West In The Head“ nach. Dieses bezeichnen sie als ihr „Destination“-Album, auf dem jeder Song einen bestimmten Geist auf dem Weg „dahin“ darstellt. Dieses unspezifische „dahin“ stellt das Ziel in Frage und die Vorstellung in den Vordergrund, das direkt vor uns liegende wieder zu entdecken und zu würdigen. Der Albumtitel bezieht sich auf einen Essay von William H. Gass namens „Exile“, in dem er Gertrude Steins Paris-Lesung zum amerikanischen Expansionismus und Modernismus interpretiert. Im politisch-dadaistischen Tummelplatz wurde die Aussage „Freewheeling through the old world“ dann quasi neu interpretiert...“When you reach the Pacific, there’s no place left but West in the Head“.

 

Diese Bezüge mögen etwas intellektualisiert anmuten, hängen aber mit den Anfängen von Sänger und Songschreiber Nichoals Faraone in Paris zusammen, der in der dortigen Anti-Folk-Szene noch auf Solopfaden wandelte. Seine beiden kongenialen Mitstreiter fand er dann mit Tom Skantze (Gitarre) und Robin Af Ekenstam (Drums) in Stockholm. Während der Aufnahmen zu ihrem gleichnamigen Debüt musste Faraone wegen einer mysteriösen Nervenkrankheit behandelt werden, wohingegen bei Ekenstam im Ellenbogen Krebs diagnostiziert wurde, so dass dieser entsprechend amputiert werden musste. Allerdings macht Not ja bekanntlich erfinderisch und so kreierte die Band aus Küchenutensilien und Klebeband eine Prothese und es konnte weiter gehen.

 

„Browser“ war da eine gutes Stück leichter und reflektierte ihre ganz eigene Mischung aus Americana und 90er College Rock. Dieses Album brachte sie dann auch endlich aus Schweden raus und bescherte ihnen Auftritte mit Destroyer, The Burning Hell, Timber Timbre, Shout Out Louds und ihren Studiofreunden von Small Feet.

 

Auch mit dem dritten Album segeln sie bewusst weit am aktuellen Musikgeschehen vorbei und passen deswegen auch so gut zu DevilDuck Records – „everything we do is out“! „West In The Head“ ist wieder reich an melodischer Wärme auf der einen und brutalen emotionalen Ausbrüchen auf der anderen Seite. Vielleicht haben sie ein paar ihrer frühen Ecken und Kanten leicht geschliffen, dabei aber bestimmt nicht ihre Verrücktheit und Spontanität verloren. Die Songs atmen den sonnigen Singer/Songwriter-Charme der 70er Jahre und Faraone hat Spaß an traditionellen Geschichten geschundener Künstler, die er spielerisch mit der Sprache romantischer Poesie, Abenteuergeschichten, Agentenromanen und Umgangssprache zu verbinden versteht.

 

Während die Songs immer mit oder auch gegen bestimmte Erwartungen spielen, nutzten Skantze und Af Ekenstam ihre Studioerfahrungen, um Songs an dem Tag aufzunehmen, an dem sie entstanden sind. Die Bandbreite der Songs wird dabei breiter und breiter und immer spielt der entspannte Sinn für Humor von Faraone eine große Rolle. So bezeichnen sie den Opener ‚Bone Beach’ als „Tropical Doom“ und prägen mit der Zeile „if you don’t get a little dirt on the dead, how you’re going to make them stop talking“ eine Hymne für Totengräber.

 

Das Albumcover stammt übrigens von Jan Håfström, einem Helden der schwedischen Kunstwelt, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Der weiße Bus soll dabei das imaginierte Fahrzeug darstellen, das dieses Album „fährt“, aber dieses Image verfolgte Håfström schon seit seiner Kindheit. Wenn er mit diesem Bus zur Schule fuhr, stellte er sich immer vor, dass die Insassen tot wären. Später erfuhr er dann, dass mit diesen Bussen Juden im zweiten Weltkrieg vor den Nazis nach Schweden gerettet wurden. Eines seiner kultigsten Arbeiten ist eine zehn Meter hohe Statue eines Mannes in einem langen Mantel, Hut und Sonnenbrille, die vor dem Hauptbahnhof in Stockholm steht und sich auf dem Weg ins Ungewisse befindet und somit eine Analogie zu Faraone darstellt.

Die Songs von Barbarisms greifen den Hörer niemals an, sie kommen auch nicht mit dem Vorschlaghammer oder was auch immer daher. Vielmehr schmeicheln sich diese Songperlen nach und nach in die Gehörgänge und werden zu guten Freunden, die man gerne immer wieder trifft bzw. hört.

 

Pressestimmen zu „Browser“:

‘The breezy looseness of Built to Spill’s earliest releases, Herman Dune’s ingeniousness, or the late St. Thomas’ cracked folk… Barbarisms’ delivery suggests we might expect intimate confessionals in the manner of Bill Callaghan.’ UNCUT

 

‘Barbarisms is a fresh garage wind on mostly electronic waters.’ NOISEY

 

http://www.barbarisms.com/

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